Personalberatung · Methode
Kandidatenauswahl
in fünf Schritten
Von der offenen Stelle zur begründeten Einstellungsentscheidung: Wie ich Bedarf kläre, Kriterien festlege, Menschen anspreche, Gespräche führe und am Ende nicht zehn Lebensläufe liefere, sondern zwei bis drei Empfehlungen, die Sie nachvollziehen können.
Die Kandidatenauswahl bei Marcel Henke läuft in fünf Schritten: Bedarf verstehen, Muss- und Kann-Kriterien festlegen, passende Personen direkt ansprechen, strukturierte Gespräche führen und eine Entscheidungsvorlage erstellen. Am Ende erhalten Sie zwei bis drei begründete Empfehlungen statt zehn Lebensläufe – jeweils mit Stärken, offenen Punkten und Gehaltsrahmen. Ein Honorar fällt nur im Erfolgsfall an, also erst bei der Einstellung.
Kandidatenauswahl ist der Weg von einer offenen Stelle zu einer begründeten Einstellungsentscheidung – und dieser Weg besteht bei mir aus fünf festen Schritten, die für jede Position gleich ablaufen. Die Reihenfolge ist kein Formalismus: Jeder Schritt liefert das Material für den nächsten, und die meisten Fehlbesetzungen entstehen dort, wo einer davon übersprungen wird. Was in den einzelnen Schritten passiert, was Sie dafür liefern, was Sie bekommen und wie lange es dauert, steht im Folgenden.
1. Bedarf verstehen
Der erste Schritt klärt, was die Stelle tatsächlich lösen soll. Eine Stellenbezeichnung sagt wenig darüber, warum die Position offen ist, welche Aufgaben in den letzten Monaten liegengeblieben sind und woran Sie in einem Jahr erkennen würden, dass die Besetzung gelungen ist. Genau das frage ich im Bedarfsgespräch ab – mit der Geschäftsführung und, wo möglich, mit der Person, die die Stelle später fachlich führt.
Dabei zeigt sich häufig, dass ausgeschriebene Stelle und eigentlicher Bedarf auseinanderliegen: Gesucht wird eine Sachbearbeitung, gebraucht wird jemand, der ein Verfahren neu ordnet. Solche Abweichungen vor der Suche zu klären, spart später die meisten Absagen. Wie diese Analyse im größeren Zusammenhang funktioniert, beschreibt die Seite Bedarfsanalyse & Personalstrategie.
- Sie liefern: die Stellenbeschreibung, falls vorhanden, eine Teamaufstellung oder ein Organigramm, den Grund der Vakanz – und eine Stunde Zeit für das Gespräch.
- Sie bekommen: eine schriftliche Zusammenfassung, was die Stelle leisten soll – abgestimmt, bevor die Suche beginnt.
- Typische Dauer: ein Gesprächstermin von 60 bis 90 Minuten; die Zusammenfassung liegt branchenüblich innerhalb weniger Tage vor.
2. Muss- und Kann-Kriterien
Aus dem Bedarf entsteht das Anforderungsprofil – und das wird bewusst kurz gehalten. Anforderungslisten mit zwölf Punkten filtern in der Praxis niemanden, weil jede Bewerbung irgendwo passt und irgendwo nicht. Ich kürze das Profil auf fünf Punkte: drei bis vier Muss-Kriterien, ohne die eine Einstellung nicht sinnvoll ist, und ein bis zwei Kann-Kriterien, die im Zweifel den Ausschlag geben.
Muss-Kriterien sind prüfbar formuliert: nicht „Erfahrung im Vertrieb“, sondern „hat in den letzten drei Jahren eigenständig Bestandskunden betreut und Preise verhandelt“. Nur so lässt sich später im Gespräch feststellen, ob ein Kriterium erfüllt ist oder nicht. Das Profil wird mit Ihnen abgestimmt und ist danach der Maßstab für alle weiteren Schritte – für die Ansprache, für die Gespräche und für die Entscheidungsvorlage.
- Sie liefern: eine Rückmeldung zum Entwurf – vor allem dazu, welche Punkte wirklich unverzichtbar sind und welche nur wünschenswert.
- Sie bekommen: ein einseitiges Anforderungsprofil mit fünf Kriterien und einem realistischen Gehaltsrahmen für die Position.
- Typische Dauer: ein bis zwei Arbeitstage nach dem Bedarfsgespräch.
3. Ansprache
Mit dem Profil beginnt die Suche. Ich spreche Personen direkt an – über Netzwerke, Fachkontakte und gezielte Recherche – statt eine Anzeige zu schalten und zu warten. Der Grund ist einfach: Die passendsten Kandidatinnen und Kandidaten sind meist in Beschäftigung und lesen keine Stellenbörsen.
Im ersten Kontakt gleiche ich nicht den Lebenslauf mit dem Profil ab; das ist an dieser Stelle zweitrangig. Ich prüfe die Motivation: Warum käme ein Wechsel infrage, was müsste die neue Stelle bieten, was darf sich nicht wiederholen? Wer nur aus Neugier zusagt, fällt hier heraus – bevor Sie Zeit investieren. Was übrig bleibt, sind Personen, die aus einem nachvollziehbaren Grund wechseln würden und deren Rahmenbedingungen zu Ihrer Stelle passen. Erst danach kommen die Unterlagen ins Spiel.
- Sie liefern: die Freigabe, Ihr Unternehmen in der Ansprache zu nennen – oder den Hinweis, dass die Suche vertraulich laufen soll; dazu Antworten auf Rückfragen innerhalb weniger Tage.
- Sie bekommen: einen regelmäßigen Zwischenstand, wie der Markt auf die Position reagiert – auch dann, wenn die Rückmeldungen auf ein Problem im Gehaltsrahmen oder im Profil hindeuten.
- Typische Dauer: branchenüblich zwei bis sechs Wochen, abhängig von Position, Region und Marktlage.
4. Strukturiertes Gespräch
Wer die Motivationsprüfung besteht, führt mit mir ein strukturiertes Gespräch. Strukturiert heißt: derselbe Leitfaden für alle, mit einer Frage nach einem konkreten Fall zu jedem der fünf Kriterien. Was jemand getan hat, sagt mehr als das, was er tun würde.
Drei Regeln aus meiner Zeit in der Gesprächsaufklärung bestimmen den Ablauf. Erstens: Beobachtung und Bewertung bleiben getrennt. Im Gespräch wird festgehalten, was gesagt wurde – bewertet wird danach, schriftlich, gegen das Profil. Zweitens: Wichtige Aussagen werden an mehreren Stellen des Gesprächs aus unterschiedlichen Richtungen geprüft. Wer ein Projekt tatsächlich verantwortet hat, kann die Umwege beschreiben; wer nur dabei war, bleibt bei der glatten Version. Drittens: Der Leitfaden ist für alle gleich, sonst vergleicht man am Ende Gespräche statt Menschen.
Ebenso wichtig ist, was dieser Schritt nicht ist: keine Lügenerkennung und keine Deutung von Körpersprache. Ein strukturiertes Gespräch erkennt Widersprüche, keine Lügen – und Widersprüche haben viele Ursachen, Nervosität gehört dazu. Wer Ihnen mehr verspricht, verkauft etwas. Wie die Methode im Detail funktioniert, steht im Ratgeber Was HumInt im Bewerbungsgespräch verändert; wie Sie sie in Ihren eigenen Gesprächen einsetzen, auf der Seite Bewerbungsgespräche für KMU.
- Sie liefern: in diesem Schritt nichts – die Gespräche führe ich. Auf Wunsch stimmen wir den Leitfaden vorab gemeinsam ab.
- Sie bekommen: pro Person einen Gesprächsbogen mit Beobachtungen und Bewertung je Kriterium – nachvollziehbar, nicht als Bauchgefühl.
- Typische Dauer: 60 bis 90 Minuten pro Gespräch, per Video oder vor Ort; die Gespräche laufen parallel zur Ansprache, sobald erste Personen bestätigt sind.
5. Entscheidungsvorlage
Am Ende steht keine Liste von Lebensläufen, sondern eine Entscheidungsvorlage mit zwei bis drei Empfehlungen. Zu jeder Person: die Stärken gegen die fünf Kriterien, die offenen Punkte, die Sie im eigenen Gespräch klären sollten, und der Gehaltsrahmen, in dem ein Wechsel realistisch ist. Dazu meine Einschätzung, welche Empfehlung ich an Ihrer Stelle zuerst einladen würde – und warum.
Zwei bis drei statt zehn hat einen Grund: Zehn Profile bedeuten zehn Gespräche auf Ihrer Seite, und die Auswahl verlagert sich zurück zu Ihnen. Die Vorlage soll das Gegenteil leisten – Ihre Zeit auf die Personen konzentrieren, bei denen sich ein Gespräch lohnt. Wenn nach den Gesprächen niemand die Muss-Kriterien erfüllt, sage ich das ebenfalls, statt die Vorlage aufzufüllen. Dann geht es zurück zu Schritt zwei, nicht zu Schritt drei.
- Sie liefern: Gesprächstermine mit den empfohlenen Personen und danach eine Rückmeldung, wie Sie entschieden haben.
- Sie bekommen: die Vorlage als kurzes Dokument, dazu Begleitung durch Ihre eigenen Gespräche und die Vertragsphase – bis zur Unterschrift.
- Typische Dauer: Die Vorlage liegt wenige Tage nach dem letzten Gespräch vor; bis zur Unterschrift vergehen branchenüblich weitere zwei bis vier Wochen, je nach Kündigungsfrist und Abstimmung auf Ihrer Seite.
Was danach kommt
Mit der Unterschrift ist die Auswahl abgeschlossen, die Besetzung nicht. In den ersten Wochen melde ich mich bei beiden Seiten: Passt die Aufgabe zu dem, was besprochen wurde, hakt die Einarbeitung irgendwo? Frühe Rückmeldungen lassen sich meist noch nachsteuern – nach drei Monaten selten.
Für den Fall, dass das Arbeitsverhältnis in der Probezeit endet, gilt eine Nachbesetzungsregelung, die wir vor Beginn der Suche schriftlich festhalten; die genaue Ausgestaltung besprechen wir im Erstgespräch. Warum das wirtschaftlich zählt, rechnet der Ratgeber Was kostet eine Fehlbesetzung wirklich? vor: Je nach Studie liegt der Schaden bei einem halben bis drei Jahresgehältern.
Was diese Methode nicht ist
Kein Massenversand. Ich schicke keine Profile „zur Ansicht“ und keine Sammelmails an Kontaktlisten. Jede Ansprache bezieht sich auf die konkrete Position, jede Empfehlung ist begründet.
Keine KI-Vorsortierung. Die Vorauswahl trifft ein Mensch im Gespräch. Software kann Unterlagen sortieren, aber nicht prüfen, ob eine Aussage trägt – und seit viele Bewerbungen mit KI geschrieben werden, sagen glatte Unterlagen weniger über die Person aus als je zuvor. Hintergrund im Ratgeber KI im Recruiting.
Keine Zeitarbeit. Die Einstellung erfolgt direkt und unbefristet bei Ihnen, ohne Überlassung über einen Dritten. Was das im Einzelnen bedeutet, steht auf der Seite Direktvermittlung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Besetzung?
Das hängt von Position, Region und Marktlage ab. Als Erfahrungswert der Branche gilt: Vom Bedarfsgespräch bis zur Vertragsunterschrift vergehen meist sechs bis zwölf Wochen. Die Ansprache ist dabei der längste Schritt; Bedarf, Kriterien und Entscheidungsvorlage brauchen zusammen selten mehr als zwei Wochen.
Wie viele Kandidaten bekomme ich vorgestellt?
In der Regel zwei bis drei. Jede Empfehlung ist begründet – mit Stärken, offenen Punkten und Gehaltsrahmen. Erfüllt nach den Gesprächen niemand die Muss-Kriterien, sage ich das offen, statt die Vorlage mit unpassenden Profilen aufzufüllen.
Was muss ich als Auftraggeber liefern?
Zu Beginn ein Gespräch von 60 bis 90 Minuten, vorhandene Unterlagen zur Stelle und eine Rückmeldung zum Anforderungsprofil. Während der Suche Antworten auf Rückfragen innerhalb weniger Tage, danach Termine für Ihre eigenen Gespräche mit den empfohlenen Personen. Mehr nicht.
Was kostet die Methode?
Die Vergütung ist erfolgsbasiert: Ein Honorar fällt erst an, wenn tatsächlich eingestellt wird. Marktüblich sind 20 bis 35 Prozent des Bruttojahresgehalts; der BDU nennt rund 27,5 Prozent als Durchschnitt. Die genaue Höhe klären wir vorab im Erstgespräch. Hintergrund im Ratgeber Was kostet eine Personalvermittlung?
Kann ich einzelne Schritte auch ohne Vermittlung buchen?
Ja. Bedarfsanalyse, Anforderungsprofil oder strukturierte Gespräche lassen sich auch einzeln beauftragen – etwa wenn Sie selbst Bewerbungen erhalten und nur bei der Auswahl Unterstützung brauchen. Diese Leistungen laufen über die HR-Beratung und werden nach Aufwand oder zum Festpreis vergütet, nicht erfolgsbasiert.